Schäden durch Medikamente häufiger als vermutet

Dass auch Medikamente negativ auf die inneren Organe wirken können, wird nicht immer bedacht. Wer jedoch über einen langen Zeitraum Medikamente wie beispielsweise Schmerzmittel einnimmt, kann damit seinen Organen schaden. Besonders häufig betroffen sind Leber und Nieren.

Die rezeptfreien Medikamente werden von Vielen zu häufig eingenommen und ohne das Wissen, wie die Präparate wirken beziehungsweise wann ihr Einsatz sinnvoll ist. Entzündungshemmende Schmerzmittel wie die Arzneistoffe ASS (Aspirin), Diclofenac und Ibuprofen, die in jeder Apotheke ohne Rezept zu bekommen sind, sind am weitesten verbreitet. Diesen Mitteln gemein ist, dass sie die Bildung von Schmerzbotenstoffen verhindern, Fieber senken und Entzündungen entgegenwirken. Entzündungshemmer werden am häufigsten genommen, haben aber eine Menge Komplikationen. Je nach Dosis könnten sie das Risiko für einen Herzinfark oder Magenblutungen erhöhen. Dass sie frei verkäuflich sind, macht sie nicht zu harmlosen Medikamenten.

Bei Leberschäden denken viele an Alkohol.

Etwa jede zehnte unerwünschte Nebenwirkung von Arzneimitteln betrifft die Leber. 

Paracetamol, NSAR und Antibiotika sind besonders schädlich für die Leber

Fast jedes Medikament schadet der Leber, da die Wirkstoffe durch die Leber abgebaut werden. Im Normalfall kann sich das Organ gut erholen. Kritisch wird es meistens erst dann, wenn entweder zu viele Medikamente geschluckt werden, der Körper gegen ein Medikament überempfindlich reagiert oder die Leber bereits vorgeschädigt ist. Zu den Medikamenten, die häufig die Leber beeinträchtigen, gehören Paracetamol, nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR) und Antibiotika. So zeigte sich in der aktuellen Studie, dass die häufig verschriebene Kombination aus dem Antibiotikum Amoxicillin und seinem Verstärker Clavulansäure für 22 Prozent der Leberschäden verantwortlich war.

Da die Symptome einer Leberschädigung unspezifisch sind, ist eine Diagnose oft schwierig. Anzeichen für eine Leberbeeinträchtigung können Appetitlosigkeit und Erbrechen, Fieber, Gelenk-, Muskel- und Bauchschmerzen, aber auch Juckreiz, Veränderungen der Hautfarbe, sowie Stuhl- und Urinverfärbungen sein. Eher selten, dafür aber besonders gefährlich, ist ein akutes Leberversagen, das für viele der Patienten trotz Behandlung tödlich ausgeht.

 

Medikamente mit Morphin auf Spezialrezepten


Weitere Schmerzmittel, die jedoch rezeptpflichtig sind, docken im gesamten Körper – im Nervensystem, der Peripherie, an entzündetem Gewebe, im Rückenmark und im Gehirn – an die Opiatrezeptoren an. Diese Medikamente dienen primär der Bekämpfung chronischer Schmerzen, beispielsweise durch Krebs, nach schweren Unfällen oder wenn bei rheumatischen Leiden andere Therapieformen keine ausreichende Wirkung bringen. Die Wirkstoffe dieser Gruppe leiten sich vom Morphin ab. Sie weisen eigene Probleme auf und sind zu Recht nur auf Rezept, meist auf Spezialrezepten, zu erhalten. Ihr Suchtpotenzial ist groß. Bei dem Gebrauch der Opiate könnten Atmungsstörungen, Übelkeit und Erbrechen, Gewichtsverlust und einige mehr Beschwerden auftreten.

 

Antiepileptika und Antidepressiva


Auch Antiepileptika sind Schmerzmittel, welche an der Nervenzellenmembran stabilisierend wirken. Diese kommen zum Einsatz, wenn der Schmerz nicht durch eine Gewebestörung entsteht, sondern der Nerv fälschlicherweise Schmerzinformationen sendet, ohne dass eine Schädigung existiert. Diese Mittel werdenbei Infektionen, Nervenverletzungen, aber auch bei Stoffwechselstörungen verwendet. Zu nennen wären auch noch die sogenannten Koanalgetika, die gegen Schmerzen helfen, obwohl sie gar keine Schmerzmittel sind. Ein Beispiel dafür sind Antidepressiva. Sie wirken an den Natriumionenkanälen und sind in der Lage, die Muskulatur zu entspannen.

Die genannten Entzündungshemmer unterdrücken das Warnsymptom Schmerz und behindern die Heilung. Dies geschieht, indem sie eine Reihe von körpereigenen Schutzhormonen (Prostaglandine) hemmen. Die sind dazu da, zum Beispiel den Magen-Darm-Trakt, die Niere und das Herzkreislaufsystem zu schützen. Solche Medikamente verändern den Körper nachhaltig. Die schädlichen Wirkungen hängen stark von Therapieform, Dosierung und Alter des Patienten ab. Mit zunehmendem Alter steigen die Risiken. Leider sind es meist die Älteren, die ihre täglichen Schmerzmittel brauchen, um mit den täglichen Herausforderungen fertig zu werden.

Empfohlene Dosierung einhalten

Am häufigsten sind ältere Patienten, Frauen und Menschen, die mehrere Medikamente einnehmen, von arzneimittelinduzierten Leberschäden betroffen. Warum jedoch einige Menschen bestimmte Arzneistoffe besser vertragen als andere, ist noch weitgehend ungelöst. Vermutet wird, dass die Unterschiede auf einer Mischung von genetischen Konstellationen und Umweltfaktoren beruhen.

Um Leberschäden vorzubeugen, sollte bei der Einnahme von Medikamenten unbedingt die empfohlene Dosierung beachtet werden. Leberschäden treten häufig durch Überdosierungen oder Überschreitungen der vorgeschriebenen Therapiedauer auf. 

Zudem gilt bei frei verkäuflichen Schmerzmitteln die Regel, sie nicht mehr als drei Tage hintereinander und maximal zehn Tage im Monat einzunehmen. Bestätigt sich der Verdacht einer leberschädigenden Wirkung, sollte das betreffende Medikament möglichst rasch abgesetzt werden – allerdings immer in Absprache mit dem behandelnden Therapeuten.

Grundsätzlich sollten wir im Umgang mit Medikamenten verantwortungsvoller, besonders gegenüber unseren Kindern sein.

Bevor wir zum Medikamenetenschrank greifen, besinnen wir uns besser auf die alten Hausmittel, die oftmals gute Wirkung ohne Nebenwirkung bieten.